Maßnahmen

Die Ergebnisse des Voruntersuchungszeitraums zeichnen ein sehr genaues Bild des Zustands der Gewässer und den auf die Characeen einwirkenden Faktoren. Auf dieser Grundlage wurde die Planung von Managementmaßnahmen und die Auswahl der zu erprobenden Methoden vorgenommen. Zusätzlich zu den in den Ergebnissen der in Phase 1 aufgeführten Faktoren wurden weitere (v. a. die Abnahme der Alkalinität und des gelösten anorganischen Kohlenstoffs in einzelnen Seen) identifiziert, von denen ein potenziell starker negativer Effekt auf die Characeen-Entwicklung angenommen wird. Aufgrund dieser Ergebnisse wurde ein Wirkungsschema entwickelt (Bild unten) und Sanierungsmaßnahmen für die jeweils betroffenen Seen geplant.

Eine kurze Darstellung zum Hauptvorhaben können Sie unter folgendem Link als Kurzfilm anschauen: https://youtu.be/RX24m_om_S8

 

Hier finden Sie die Ergebnisse der durchgeführten Maßnahmen.

Bild: Potenzielle Stressoren und Wirkungsmechanismen, die zum Rückgang der Characeen geführt haben können (DOC: gelöster organischer Kohlenstoff; DIC: gelöster anorganischer Kohlenstoff; grazer: Weidegänger; nach S. Hilt, verändert)
1. Öffentlichkeitsarbeit

Das Chara-Seen-Projekt versucht im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit Eigentümer, Pächter und Nutzer der Projektseen stets in die Maßnahmen mit einzubinden und einen konstuktiven Ideenaustausch zu fördern. Es hat sich schon oft im Laufe des Projektes gezeigt, dass Probleme bei der Umsetzung von Maßnahmen durch die Einfälle von außerhalb des Projekt-Teams nicht nur kreativ, sondern auch einfach gelöst werden konnten.

Daher tun wir unser Bestes, Sie jederzeit über die Fortschritte unseres Projektes auf dem Laufenden zu halten. Gerne nehmen wir auch Informationen und Tipps aus der Bevölkerung entgegen, dazu können Sie uns über folgenden Link auch kontaktieren. Im Reiter Nachrichtenarchiv können Sie darüber hinaus die wichtigsten Informationen zum Stand des Projektes finden.

Auch unsere Flyer werden Sie demnächst zum Download bereitgestellt finden.

In den Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit fiel auch unsere Marktanalyse zur Nutzung von Weißfischbeständen. Im Folgenden dazu mehr.

Ein wesentlicher Grund der Zunahme der Weißfischbestände und der generellen Veränderung in der Fischartenzusammensetzung der Seen ist in der Veränderung in der Fischerei zu sehen. Mit dem Strukturwandel der Erwerbsfischerei, wie sie seit Jahrhunderten und bis in die DDR-Zeit betrieben wurde,  bis zum heutigen Tage, haben sich auch die Fischzönosen in den Seen verändert. Wo einst Süßwasserfische aller Arten gefangen und verwertet wurden, werden heute nur noch wenige Arten vermarktet, die als Konkurrenz zu billigem Meeresfisch standhielten. In den letzten 25 Jahren ist ein genereller Rückzug der Haupterwerbsfischerei mit Konzentration auf wenige Arten eingetreten und die Nutzung der Seen durch Angler immer mehr in den Vordergrund gerückt. Im Ergebnis beider Entwicklungen sind heute fischereilich hauptsächlich Raubfische, Maränen und Karpfen von Interesse, wohingegen Weißfische, welche die Hauptbiomasse in den Seen darstellen, weniger nachgefragt sind. Als „Weißfisch“ werden hierzulande silbrig-weiß glänzende Karpfenfische, wozu die Plötze (auch Rotauge), die Rotfeder, der Blei (auch Brachse oder Brasse), die Güster, der Döbel, der Ukelei, die Karausche, der Giebel, der Gründling und das Moderlieschen sowie sehr seltene Arten wie der Bitterling, der Rapfen und der Aland gehören. Der großwüchsige Rapfen ist der einzige „Raubfisch“ darunter, alle anderen Arten ernähren sich von Krebsen, Insektenlarven, Mollusken und Pflanzen („Friedfische“).

 

Weißfische sind zwar wohlschmeckend, enthalten aber sehr viele feine Gräten, die die Zubereitung erschweren, sodass die Verbraucher die Verarbeitung der Weißfische meiden. Deshalb braucht es neue Initiativen, die das Interesse an der Verarbeitung von Weißfischen wieder erhöhen und ihre Vermarktung unterstützen. Bundesweit existieren bereits einige Projekte, die sich eine bessere Vermarktung der Weißfische zum Ziel genommen haben. Innerhalb des vorliegenden Projektes sollen zunächst erfolgversprechende Ansätze aus anderen Regionen gesammelt und analysiert werden. Ziel ist es, den Absatzmarkt für Weißfische an sich (z. B. als Besatzfisch) und aus ihnen gewonnene Lebensmittel zu evaluieren. Daraus sollen dann Konzepte zur Umsetzung der erfolgreichsten Beispiele in der Region erarbeitet werden. Dabei ist die enge Zusammenarbeit mit den Fischern, den Naturparks, dem Biosphärenreservat, den zuständigen Behörden, den Kommunen und weiteren Intressenvertretern notwendig. In diesem Zusammenhang soll gleichzeitig auf die angelfischereiliche Notwendigkeit einer nicht zu einseitigen Entnahme einzelner Fischarten aus den Gewässern hingewiesen und auf die Hegepflicht der Angler verwiesen werden. Somit würde das Bewusstsein für ein naturverträglicheres Angeln verbessert.

 

2. Maßnahmen zur Veränderung des hydrochemischen Zustands der Seen

Zur Verbesserung des hydrochemischen Zustandes sollen mehrere Möglichkeiten umgesetzt werden.

 

1. Verringerung des Nährstoffeintrags in die Seen - Der Weg zu klarem Wasser

1.1. Nährstoffadsorption in den Zuflüssen - Den Zustrom säubern

An einigen Projektseen konnten durch Wasserprobenahmen hohe  Nährstoffkonzentrationen ermittelt werden, die über oberirdische Zuflüsse in die Seen gelangen. Diese Nährstofffrachten sollen durch den Einsatz von FerroSorp©, einem Adsorptionsmittel-Granulat für die effektive Entfernung von Phosphor aus Wasser verringert werden. Dadurch soll der Nährstoffeintrag in die Seen verringert werden. Aufgrund der unterschiedlich langen Verweilzeiten des Wassers in den Seen ist in einigen Fällen, in denen die Verweilzeit weniger als ein Jahr beträgt, schon innerhalb eines Jahres mit einer deutlichen Verringerung der Nährstoffkonzentration im See zu rechnen.

1.2 Wasserrückhaltung im Einzugsgebiet und Grunderwerb - Den Zustrom verhindern

Neben der Nährstoffadsorption besteht vor allem bei kleineren und saisonalen Zuflüssen die Möglichkeit, die Zuflüsse zu unterbinden bzw. ins Grundwasser zu verlagern. Zu diesem Zweck sollen Retentionsflächen (Wiedervernässung von Mooren, Volumenvergrößerung von Kleingewässern) geschaffen werden, die diese Zuflüsse auffangen. In einigen Fällen ist es auch denkbar, die saisonalen Zuflüsse umzuleiten und außerhalb des Gewässers versickern zu lassen. Hierzu müssen die vorhandenen Drainagen umgelegt und / oder verschlossen werden. Bei den Agrarflächen im Einzugsgebiet einiger anderer Seen ist angedacht, das nährstoffreiche Wasser in der Retentionsfläche für die Beregnung von Agrarflächen zu nutzen und dadurch einerseits den Gesamtdüngemitteleinsatz zu reduzieren und andererseits die Akzeptanz für die Maßnahmen durch die Einbeziehung von Landnutzern zu steigern. Um die benötigten Flächen nutzen zu können, stehen Mittel zum Flächenerwerb, zur langfristigen Anpachtung oder zur Entschädigung bereit.

 

Unter dem folgenden Link sehen Sie Aufnahmen zu den Baggerarbeiten, mit dem Ziel einer Moorwiedervernässung, zum Zwecke der Nährstoffrückhaltung: https://youtu.be/2ttO4jsMd_U

 

2 Seeinterne Maßnahmen zur Nährstoffreduktion

2.1 Seeinterne Nährstofffällung - Einsatz im Gewässer

Diese Maßnahme wird an Gewässern eingesetzt, bei denen keine Belastungen aus dem Einzugsgebiet nachgewiesen werden konnten. Bei der seeinternen Nährstofffällung wird das im Wasser vorhandene Phosphat durch die Zugabe eines Fällmittels direkt ausgefällt. Um eine Rücklösung von im Sediment vorhandenen Phosphor zu verhindern, muss die Dosis der Zugabe auch dem im Sediment vorhandenen verfügbaren Phosphor angepasst werden, der sich sonst im Wasser zurücklösen könnte.

Die seeinterne Nährstofffällung soll in einem isolierten kleinen Gewässer durchgeführt werden, welches keine oberirdischen Zuflüsse besitzt und dessen Einzugsgebiet vorwiegend aus Wald besteht, sodass bei diesem See davon ausgegangen werden kann, dass die Nährstofffällung einen nachhaltigen Effekt zeigen wird. Eine weitere Maßnahme soll die Anbringung einer Vorrichtung in der Mitte zweier Seen werden, die dauerhaft Tiefenwasser über einen mit FerroSorp© gefüllten Behälter laufen lässt und solarbetrieben wird. Hier soll die direkte Adsorption von Phosphor aus Tiefenwasser zur Verbesserung der Wasserchemie erprobt werden.

 

2.2 Entnahme von Pflanzenbiomasse - Phosphor in geballter Form

In großen Beständen von Wasserpflanzen ist insbesondere in flachen, vollständig bewachsenen Gewässern während der Sommermonate ein Großteil des Phosphors gebunden. Mit der Entfernung der Pflanzenbiomasse besteht daher die Möglichkeit, diesen in den Pflanzen gebundenen Phosphor aus dem See zu entfernen. Die Entfernung der Biomasse soll mindestens zwei Mal während der Vegetationsperiode (im Frühsommer und im Frühherbst) erfolgen, bevor die Pflanzen absterben und die Nährstoffe wieder freigesetzt werden. Die entnommene Biomasse soll gewogen und ihr P-Gehalt ermittelt werden, um den Nährstoffexport einschätzen zu können. Die Pflanzenbiomasse kann anschließend bspw. auf Agrarflächen als Dünger genutzt werden.

 

Für ein besseres Verständnis der Umsetzung der Nährstofffällung seeintern und der Pflanzenbiomasseentnahme, erwartet Sie unter folgendem Link ein Kurzvideo dazu: https://youtu.be/fUQGQsRk1jc

 

3 Erhöhung des Ca-Gehalts und der DIC-Verfügbarkeit - die Characeen-Quelle

In einigen Projektseen wurden Calcium- und DIC (gelöster anorganischer Kohlenstoff) -Gehalte gemessen, die deutlich unter der nachweislich festgelegten Grenze liegen, die für das Characeen Wachstum notwendig ist. Um sowohl den Ca- als auch den DIC-Gehalt der Gewässer zu erhöhen, soll Calciumcarbonat genutzt werden. Hierbei handelt es sich um eine bereits erprobte Variante mit Kreidekalk, die unter anderem zur Sanierung von Tagebauseen in der Lausitz eingesetzt wird. Bei dieser Methode wird der Kreidekalk außerhalb des Gewässers in mit Seewasser gefüllten Tanks unter Zugabe von CO2 gelöst und das mit Calcium und Carbonat stark angereicherte Wasser wieder in den See zurückgegeben.

Für den aktuellen Kalkmangel in einigen Seen sind klimawandelbedingt verringerte Grundwasserzuflüsse sowie Versauerungseffekte der Waldböden durch atmosphärische Einträge anzunehmen.

 

Zur Visualisierung dieser "Kalkungs"-Methode können Sie sich unter folgendem Link ein kurzes Video anschauen: https://youtu.be/kuuJ3VB61i8

3. Fischbestandsmanipulationen - Einstellen eines günstigen Raubfisch- Friedfischverhältnisses

Die Untersuchungsergebnisse zeigen in den meisten der untersuchten Gewässer einen sehr hohen Anteil von Weißfischen (v. a. Plötzen, Rotfedern und Bleie). Das ist vermutlich auch das Ergebnis einer sehr stark auf Raubfischentnahme ausgerichteten Fischerei und Angelei, während Weißfische größtenteils aufgrund mangelnder Nachfrage als Speisefisch oftmals wieder in das Gewässer zurückgesetzt werden. Dies kann schließlich zu weiteren nachhaltigen Veränderungen im Gewässer führen (z. B. Algendynamik und Nährstoffkreisläufe). Neben den direkten Effekten der Reduzierung der Fischbestände können vor allem in kleineren und abgeschlossenen Seen durch eine intensive und selektive Freizeitfischerei auch evolutionäre Veränderungen in der Fischpopulation verursacht werden. Die angenommenen Auswirkungen von zunehmenden Weißfischbeständen auf Characeen sind vielfältig. Siehe Näheres dazu auch unter Methoden der Voruntersuchung. Um im Rahmen des E&E-Vorhabens verschiedene Maßnahmen einander gegenüberzustellen, wurden für die Fischbestandsmanipulation mehrere Fangmethoden ausgewählt.

 

Aufgrund des Umfanges dieser Maßnahme können Sie einen kurzen Eindruck im Video unter folgendem Link gewinnen: https://youtu.be/WzwmLfFVDNA

 

1 Kummreusen zur selektiven Entnahme von Fischen

Kummreusen werden in der Meeresfischerei seit langer Zeit eingesetzt und insbesondere zum Fang von Schwarmfischen (z. B. Hering), der zu bestimmten Zeiten in großen Schwärmen in flache Bereiche kommt, genutzt. In den Binnenseen werden die Kummreusen traditionell eher wenig bzw. gar nicht eingesetzt. Im Projektgebiet wurden in den letzten Jahren neuerdings Kummreusen zur selektiven Entnahme von Silber- und Marmorkarpfen, benthivoren Fischen (v. a. Bleie) und Weißfischen erprobt. Während die Befischung der großen Pflanzenfresser insbesondere in den warmen Monaten im Sommer erfolgreich ist, können Weißfischschwärme von Bleien, Rotfedern und Plötzen am besten im Frühjahr zur Laichzeit, wenn sich die Fische in großen Schwärmen in Ufernähe aufhalten, gefangen werden. Der Einsatz der Kummreuse ist vor allem für Gewässer mit ausgedehnten Flachwasserbereichen vorgesehen, was für die Kummreusen unabdingbar ist und für Seen mit Wasserpflanzen- und Totholzbeständen, die den Einsatz von Zugnetzen erschweren. Da die Kummreuse für Fischotter ungefährlich ist und die Möglichkeit besteht, gefangene Raubfische lebend und unbeschadet zurückzusetzen, die für die Selbstregulation der Fischbestände im Characeen-See besonders bedeutsam sind, könnte sich dieses Fanggerät in vielen Seen als die Methode der Wahl herausstellen.

 

2 Zugnetzbefischung

Die Zugnetzbefischung eignet sich dazu, mit einzelnen „Fischzügen“ bei guten Voraussetzungen große Fischmengen zu fangen. Idealerweise besitzen die Gewässer gleichmäßige Tiefenverhältnisse und weisen keine Hindernisse am Gewässergrund auf. Mit dem Zugnetz können vor allem Fischschwärme gefangen werden. Der Fang von großen Einzelfischen ist hingegen nur schwer möglich. Die Zugnetzbefischung soll bevorzugt in den Herbstmonaten eingesetzt werden, wenn sich die Fischschwärme aus den Flachwasserbereichen zurückgezogen haben und die niedrige Wassertemperatur die Fluchtaktivität reduziert.

Aufgrund der Erkenntnisse aus der hydroakustischen Erfassung, dass die Fische sich in der Dunkelheit zumeist im Pelagial (der uferferne Freiwasserbereich oberhalb der Bodenzone) der Seen aufhalten, sollen erstmalig auch Fischzüge während der Dunkelheit durchgeführt werden, wobei das Netz entlang der Wasseroberfläche (mit einer Netztiefe von maximal 8 m) gezogen wird. Dabei wird die tatsächliche Netztiefe an die jeweilige Wassertiefe angepasst, sodass ein Mindestabstand von 1 - 2m zum Gewässerboden eingehalten wird, um diesen nicht zu beeinträchtigen. Für jeden See sollen vor der Durchführung der Zugnetzbefischung die zu befischenden Tiefen- und Gewässerbereiche abgestimmt werden, sodass das bestmögliche Ergebnis bei minimalen Auswirkungen auf die Gewässer, deren Sedimente und die Makrophytenvegetation gefischt werden kann.

 

3 Befischung mit großmaschigen Stellnetzen

Um gezielt große benthivore Fische entnehmen zu können, sollen in Gewässern, in denen der Einsatz von Kummreusen aufgrund der Gewässermorphologie ungeeignet erscheint, großmaschige Stellnetze gestellt werden. Da die Netze täglich gehoben und wieder gestellt werden müssen, sollen diese Befischungen nur im fängigen Zeitraum Mai / Juni durchgeführt werden.

 

4 Raubfischbesatz - natürliche Selektion kleiner Weißfische

In Gewässern ohne menschlichen Einfluss stellt sich natürlicherweise ein ausgewogenes Raubfisch-Friedfisch-Verhältnis ein. Durch die gezielte Entnahme bestimmter Fischarten greift der Mensch in dieses natürliche Verhältnis ein. In den Gewässern des Projektgebiets kam es nach der Wiedervereinigung zu einer deutlichen Veränderung in der fischereilichen Bewirtschaftung, sodass Angler und Fischer vornehmlich nur noch beliebte Speisefische wie vor allem Zander und Aal, aber auch Hecht und Barsch entnehmen. In der Folge kam es in vielen Projektseen zu einer Verringerung des Raubfischbestands und einen Überhang an Weißfischen.

Der Raubfischbestand soll in einigen Seen durch einmaligen Besatz wieder etwas erhöht und in der Folge durch ein verändertes „Entnahmeverhalten“ der Angler und Fischer auf einem höheren Niveau, welches nahezu dem natürlichen Niveau entspricht, stabil gehalten werden. Grundlage für die nachhaltige Veränderung im Raubfischbestand ist aber, dass im Vorfeld die ansässigen Fischer und Angler informiert werden und sichergestellt werden kann (z. B. durch Entnahmefenster), dass sich der Raubfischbestand auch langfristig auf einem höheren Niveau etablieren kann.

 

5 Abtrennung von Seeteilen - Auffischfrei folgen viele Characeen?

In manchen Fällen sind aufgrund der Rahmenbedingungen (fischereiliche Interessen, Gewässermorphologie) die aufgeführten Maßnahmen der Fischbestandsmanipulation praktisch nicht umsetzbar. Es ist daher geplant, die Auswirkungen einer teilweisen Fischbestandsmanipulation und die Auswirkungen auf das Gesamtgewässer nur in einem Teilbereich zu erproben. Es sollen Seeteile abgezäunt werden, um großen benthivoren und phytophagen Fischen den Zutritt zu verwehren, aber einen Austausch von Wasser und von im abgegrenzten Seeteil produzierten Oosporen zu ermöglichen. Solche abgegrenzten Seebereiche können durch die Strahlwirkung zu positiven Entwicklung von Characeenbeständen führen. Es ist geplant, bei Gewässern, die historisch reich mit Characeen bestanden waren, durch Zäune/Netze abzutrennen und in den abgegrenzten Teilbecken o. g. Fischbestandsveränderungen herbeizuführen.

 

 

4. Enclosure-Versuch zur Bestimmung der Auswirkungen von Fischgemeinschaften auf Characeen

Die Zusammensetzung der Fischgemeinschaft hat in vielen Fällen einen entscheidenden Einfluss auf die Zusammensetzung der Makrophytengemeinschaft und insbesondere auf das Vorkommen von Characeen. Neben direkten Effekten durch Fraß (durch heimische Rotfedern und z. T. auch durch besetzte Karpfen) kann auch durch eine Top-down Kontrolle, also der Fraß von Grazern, die den Aufwuchs verhindern, ein verstärktes Wachstum von Periphyton auftreten (siehe Voruntersuchung Ergebnisse). Zudem verursachen viele Fischarten durch ihr Fraßverhalten mechanische Schädigungen an den Characeenbeständen.

Über die Tatsache, dass benthivore (gründelnde) und phytophage (pflanzenfressende) Fische einen Einfluss auf Characeenbestände haben können, besteht kein Dissens, sehr wohl aber über die Fischbiomassen, die erforderlich sind nachhaltige Schädigungen zu verhindern. Die Voruntersuchungen zeigten, dass auch in Seen, in denen nur geringe Bestände benthivorer Fische gefunden wurden, die Characeenbestände unter den Fischbeständen leiden.

Im Rahmen des Hauptvorhabens soll daher ein bisher einzigartiger großer Enclosureversuch in einem Projektsee durchgeführt werden, bei dem 20 Abschnitte (in der Anordnung von 4 Installationen mit jeweils 5 Netzkäfigen) mit für den See repräsentativen Anteilen der vorkommenden Tiefenstufen mit einem feinmaschigen Netz abgegrenzt werden (Bild unten). In die jeweiligen Enclosures werden dann Fische eingesetzt, die der derzeitigen Situation im Gewässer entsprechen (Kontrolle), aber auch höhere und geringere Fischbiomasse enthalten. Zudem sollen die Anteile der einzelnen Arten und Größenverhältnisse verändert werden, wobei auch der Raubfischbestand in den Enclosures manipuliert und das Raubfisch- zu Friedfischverhältnis und dessen Auswirkungen bei der Auswertung betrachtet wird. Dies schloss einen Informationsaustausch zwischen dem Projektteam und Fischereibiologen des Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) und des Instituts für Binnenfischerei (IfB) ein, die in das geplante Vorhaben eingebunden sind, damit die Versuche bestmöglich geplant und umgesetzt werden können und zudem die Ergebnisse eine breite Akzeptanz in den verschiedenen Interessengruppen finden. Die Fische sollen für diesen Versuch vor Versuchsbeginn mit Kummreusen aus dem Versuchsgewässer gefangen und direkt in die Enclosures umgesetzt werden.

Die Ergebnisse werden nachhaltige Erkenntnisse zu der optimalen Zusammensetzung von Fischbeständen für Characeen in Klarwasserseen liefern, welche die Basis für eine Erstellung eines Leitbilds und einer Handlungsanweisung für eine für Characeen unbedenkliche Fischerei darstellen.

 

Diesen einzigartigen Versuch können Sie sich auch unter folgendem Link als kurzes Video anschauen: https://youtu.be/xDsHH5Mm4lg